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Luzerner Theater, White Out – Begegnungen am Ende der Welt, 15. März 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

White Out, Szenenfoto von Ingo HöhnProduktionsteam

Inszenierung: Alexander Giesche Bühne und Kostüme: Nadia Fistarol Licht: David Hedinger Dramaturgie: Friederike Schubert Musik: Georg Conrad

Besetzung Mit: Lukas Darnstädt, Matthias Kurmann, Verena Lercher, Maximilian Reichert, Jakob Leo Stark, Alina Vimbai Strähler

 

Rezension:

«Seltsam im Nebel zu wandern…» mit dem Gedicht von Hermann Hesse begann Friederike Schubert die Einführung ins Stück «White out» von Alexander Giesche. Ein ungewöhnlicher Anfang für eine ungewöhnliche Produktion, erklärte sie. Das Gedicht, und ihr Hinweis, bei den Produktionen von Alexander Giesche werde der Zuschauer auf sich selber zurückgeworfen, begleiteten mich während den fast 2 Stunden der Première letzten Dienstag. Denn auf sich selber geworfen wird man bei diesen Bildern, die wenig mit Gewöhnlichkeit zu tun haben. Giesches «Visual Poem», dieses bildgewaltige, assoziative Werk, ist nicht einfach zu entschlüsseln, wobei Entschlüsselung wohl auch gar nicht das Ziel ist. Um Begegnungen am Ende der Welt geht es, um ein neues Erdzeitalter, das Anthropozän, das menschlich gemachte Zeitalter, welches das Holozän, das jetzige ablöst. Giesche inspiriert sich einerseits von diesem Anthropozän, andererseits vom «White out», einem meteorologischen Phänomen, welches vor allem in Polargebieten und im Hochgebirge auftritt  und zu starken Kontrastverringerungen und zur Orientierungslosigkeit führt. So entstanden – in Zusammenarbeit mit den Akteuren – Bildgeschichten im Grenzbereich von Ton- und Lichtinstallationen, Theater und Performance.

So viel lässt sich im Programmblatt lesen. Von Entschleunigung ist die Rede und davon, dass man als Zuschauer zum aktiven Assoziieren eingeladen wird. Gespannt dürfe man sein, und gespannt ist man auch und bleibt es irgendwie, den ganzen Abend über, gespannt, wie das nächste surreale Bild daherkommen, wie dieses aufgelöst wird, welche nächste Information der eiserne Vorhang preisgeben wird.

«Zahlreiche» Informationen

Aber von Anfang an: Auf der Bühne steht ein Mann in Sportausrüstung, hinter ihm der eiserne Vorhang des Theaters mit einer Milliardenstellen-Zahl. Mit einem Knall bläst der Mann seinen roten Lawinen-Airbag auf, den er danach den ganzen Abend um den Hals trägt. Unendliche Minuten lang gibt er detaillierte Informationen darüber, woraus eine Notfallausrüstung besteht, bei den Nahrungsmitteln gramm- und kaloriengetreu. Der Vorhang hinter ihm öffnet sich langsam, schliesst sich später genau so langsam wieder, den ganzen Abend über, immer mit irgendwelchen informativen Zahlen: Weltbevölkerung, Geburten an diesem Tag, Google-Klicks, ausgegebenes Geld für Videospiele, Todesfälle durch Krebs oder von herabfallenden Ventilatoren getroffene Menschen.

Lebende Installation

Dazwischen die Szenen auf der Bühne. Der Boden ist bedeckt mit Asche, der Hintergrund anfänglich hell ausgeleuchtet, Endzeitstimmung. Die 6er Runde besteht aus dem Expeditionsteilnehmer, nun in einem beleuchteten kleinen Zelt versteckt, einem Mann, welcher mit einem Detektor dem schwärzesten Schwarz auf der Spur ist, einem Soldaten, der nichts anderes tun kann als Fliegen, seit man ihm etwas zu viel Mittel gegen Flugangst gespritzt hat. Immer wieder durchquert er die Bühne von links nach rechts. Ein anderer Mann zieht einen grossen mobilen Scheinwerfer hinter sich her wie ein Hündchen, sendet damit Signale ins All und vollführt einen faszinierenden, beinahe poetischen Lichttanz mit ihm. Eine überdrehte Frau verrenkt sich in einer Art Schnee-Woodo-Verkleidung zum Techno-Beat, eine andere Frau in Abendrobe setzt sich an einen edel gedeckten Tisch mitten in dieser Aschelandschaft und harrt dort aus. Dann wieder sitzen alle sechs am Tisch, lachen sich beinahe tot über ihre Vornamen und Spendegewohnheiten, singen gemeinsam «don’t dream, it’s over», der Saal summt mit. Einer taucht dann noch ab ins Eisloch, zwei machen Selfies am Tisch, der schwebende Mann trägt nun ein weisses Hemd und schwarze Hosen, die Schnee-Woodo Frau windet sich am Boden,  der Mann mit dem Lawinen-Airbag hockt im Zelt.

Es sind teilweise faszinierende Bilder, eine lebende Installation. Man muss sich aber einlassen, sich der Entschleunigung stellen können. Die Jungen mochten es sehr, die Älteren blieben wohl teilweise etwas unentschieden – eben, seltsam im Nebel zu wandern…

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2017/03/15/lzerner-theater-white-out-begegnungen-am-ende-der-welt/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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Edoardo Bennato, Kaufleuten Zürich, 14. März 2017, besucht von David Lienert

Edoardo BennatoBesetzung:

Edoardo Bennato, voclas/guitar & Band

 

Rezension:

Gediegene Bühnenpräsenz

 

Im vollbesetzten „Kaufleuten“-Saal in Zürich zeigte der italienische Cantautore und Rockmusiker Edoardo Bennato am letzten Dienstag, dass er auch mit 70 Jahren noch über eine starke Bühnenpräsenz verfügt.

 

Ein mit einem grossen Beamerbild projizierter Plattenspieler mit rotierendem Teller, von dem aus violette Strahlen ausgehen; davor steht der Kultsänger Edoardo Bennato mit seiner Band. Seine leicht ergrauten Haare schimmern auf der stilvoll ausgeleuchteten Bühne, die Sonnenbrille funkelt, der Song „Abbi Dubbi“ erklingt. In „Abbi Dubbi“ geht es um die eine grosse Gewissheit in seinem Leben, dass er am Ausdrucksvermögen des Rock n‘ Roll nicht den Hauch eines Zweifels hat, wohingegen der erste Schultag oder der erste Tag an der Uni jeden in Situationen versetzen, in denen er mit Unsicherheiten zu kämpfen hat. Mithin ist die simple Aussage dieses Songs auf seinen eigenen musikalischen Wechsel hindeutend: Ursprünglich hatten seine Songs nämlich eindeutige Anklänge an die oft verwunschene und von feinen Tönen geprägten Lieder Bob Dylans und eine klare Schlagseite hin zur Folkmusik.

 

Musikalischer Schwenk

 

Diese Songs mit Folkanleihen ermöglichten ihm unter dem Label Dischi Ricordi, das in den 1970er-Jahren zum Angel- und Drehpunkt aller bedeutenden italienischen Cantautori avancierte, den Durchbruch. 1977 war das Album „Burattino senza fili“ (Handpuppe ohne Fäden) während länger 51 Wochen auf Platz 1 in der italienischen Hitparade. Genau zehn Jahre danach vollzog er mit dem Album „OK Italia“ eine stärkere Hinwendung zur Rockmusik und deren eingängigen musikalischen Schemen. 1989 lancierte er den Sommerhit schlechthin mit dem auch heute immer noch als Ohrwurm wirkenden schmissigen „Viva la mamma“.

Gerade einfache musikalische Abläufe waren ihm im „Kaufleuten“ Grundlage für Songs, die ernsthafte Themen wie die ungebrochenen Migrationsprobleme, soziale Ungleichheiten oder den ewig tobenden Nahostkonflikt anschneiden. Zweifel freilich sind angebracht, ob diese, vom Künstler in durchaus berechtigter Sorge aufgeworfenen globalen Fragen mit recht beliebig und mitunter auch zu dick aufgetragen wirkenden Beamerbildern unterfüttert werden müssen.

Auch nicht von der Hand weisen lässt sich, dass seine Tenorstimme mittlerweile etwas an Strahlkraft eingebüsst hat. Aber doch und ganz gewiss: Edoardo Bennato zeigt den Charme des Alterns in Würde, den Charme eingeflochtener Erinnerungen, den Charme eines reichen Repertoires, auf das er zurückgreifen kann, den Charme einer aufeinander eingespielten Band. Das „Kaufleuten“ mit Baujahr 1915 jedenfalls, nur behutsam modernisiert und die würdevolle Patina stilvollen Älter-Werdens ausströmend, bot dafür einen, gediegenen Rahmen.

Fotos: www.allblues.ch  und Homepage des Künstlers: www.bennato.net/

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veranstaltet von: www.allblues.ch und www.migros-kulturprozent.ch/de/schwerpunkte/kultur/migros-kulturprozent-jazz

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Luzerner Theater, Tauben fliegen auf, 14. März 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Tauben fliegen auf Foto Ingo HöhnProduktionsteam Inszenierung: Sylvia Sobottka Bühne und Kostüme: Manuel Gerst Dramaturgie: Hannes Oppermann Musik: Mark Schröppel

Besetzung Mit: Sofia Elena Borsani, Michèle Breu, Adrian Furrer, Wiebke Kayser, Mirza Šakić

 

Rezension:

Das 2010 preisgekrönte Buch „Tauben fliegen auf“ von Melinda Nadj Abonji wird im Luzerner Theater auf die Bühne gebracht. In Absprache mit der Autorin hat die Regisseurin Sylvia Sobottka einzelne Passagen ausgewählt. Diese werden so gesprochen, wie sie geschrieben sind, in direkter und indirekter Rede, abwechslungsweise von den fünf Schauspielern und oft unabhängig von ihrer Rolle.  Es ist keine Dialogfassung, eher ein semi-konzertantes Live-Hörspiel, wie es Dramaturg Hannes Oppermann nennt.

Die Bühne in der Box ist nicht wirklich eine Bühne: Stühle jeglicher Art – vom ziemlich ramponierten Camping-Stuhl über Plastik-Sessel bis hin zum eleganten Polsterstuhl  – sind so angeordnet, dass in der Mitte ein viereckiger Platz entsteht, ein etwas altertümlich wirkender hellgrüner Teppich auf dem Boden, immer noch dieser leichte Holz-Geruch in der Luft. Die Schauspieler bewegen sich bereits vor Beginn des Stücks frei zwischen den Besuchern und setzen sich anschliessend verteilt auf den Raum direkt zu ihnen.

Wechsel zwischen zwei Welten

Die Geschichte beginnt im Dunkel und erlaubt eigene Bilder im Kopf: Der schokoladenfarbene Chevrolet mit der Familie Kocsis auf dem Weg in die alte Heimat Vojvodina, die Pappelallee, die erbarmungslos brennende Sonne, die Einfahrt zum Haus, Mamika und ihre weichen Haare. Das grelle Licht holt einen danach zurück in die saubere Schweiz, ins Café Mondial, welches die Familie übernehmen konnte und nun an der Goldküste betreibt. So pendelt die Geschichte der Familie, welche sich in der Schweiz hochgearbeitet hat, hin und her, zwischen alter und neuer Heimat. Die ausgewählten Passagen geben Themen und Essenz des Buches voll und ganz wieder.

Für Tochter Ildiko geht dieses Leben auf die Dauer aber nicht auf. Sie will nicht unsichtbar sein, will ihre eigene Meinung haben können, lehnt sich auf gegen die Unterwürfigkeit gegen die Fremdenfeindlichkeit, welche sie je länger je mehr spürt. Und so verlässt sie die Familie, Mutter und Vater stehen machtlos da und schauen ihr nach. Eine eindrückliche Szene, wenn Ildiko im grellen Scheinwerferlicht eines Lieferwagens draussen auf dem Quai «Das Wesentliche ist unübersetzbar » auf die Scheibe sprayt und dann beginnt, die Stühle des Saals ins Freie zu räumen.

Grandiose Leistung

Mit wenig Mitteln und sehr gekonnt eingesetzten Lichteffekten werden Bilder mit grosser Intensität geschaffen. Der teilweise gewollte Miteinbezug der Strassen-Szene vor dem Fenster – die beleuchteten Gebäude an der Reuss, die Lichter auf dem Wasser, gaffende Passanten – bringen eine zusätzliche Dimension ins Geschehen. Das Publikum wird miteinbezogen: Einige Besucher werden aufgefordert, ihre Stühle zu verlassen. So sind sie vorübergehend den Blicken der anderen ausgesetzt und müssen ihren Platz ungewollt wechseln. Die Schauspieler befinden sich oft mitten unter dem Publikum, sitzen oder stehen so nahe, dass eine zusätzliche Betroffenheit aufkommt. Ihre Leistung ist  gewaltig, das Textvolumen riesig. Sofia Elena Borsani überzeugt als aufmüpfige Ildiko, Michèle Breu gibt eine lebenslustige Nomi. Vor allem aber erstaunt die sonst für wort- und emotionsgewaltige Rollen bekannte Wiebke Kayser: Unendlich sanft, mit manchmal einem stillen, leisen Lächeln spielt sie meisterhaft die demütige, unscheinbare Mutter.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

https://fotogalerien.wordpress.com/2017/03/10/luzerner-theater-tauben-fliegen-auf-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

 

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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Luzerner Theater, Romeo und Julia, Tragödie von William Shakespeare, 12. März 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Romeo und Julia Foto Ingo Höhn, Luzerner TheaterProduktionsteam

Inszenierung: Nina Mattenklotz Bühne: Johanna Pfau Kostüme: Lena Hiebel Licht: David Hedinger Musikalische Leitung: Carsten Meyer Dramaturgie: Regula Schröter Dramaturgie: Friederike Schubert

Besetzung

Mit: Adrian Furrer (Capulet), Wiebke Kayser (Lady Capulet), Samuel Braun (Graf Paris), Sofia Elena Borsani (Julia, Tochter der Capulets), Jakob Leo Stark (Romeo, Sohn der Montagues), Matthias Kurmann (Tybalt, Julias Cousin), Lukas Darnstädt (Mercutio, Romeos Freund), Alina Vimbai Strähler (Benvolio), Stefanie Rösner (Julias Amme), Yves Wüthrich (Lorenzo, Franziskanermönch)

 

Rezension:

Die Einführung gab bereits den jugendlichen Ton an für die kommende Aufführung von Romeo und Julia. Mit gestrickter Mütze, weissen Turnschuhen und einer Nervosität, die sie gar nicht erst zu verstecken versuchte, erklärte die Dramaturgin Friederike Schubert in groben Zügen Entstehung, Handlung  und Inszenierung des Stücks. «Huch, geschafft», meinte sie am Ende und der Applaus galt unter anderem auch ihrer jugendlichen Unverkrampftheit. Ihre Direktheit schien die Besucher anzustecken: »Oha, da ist ja richtig was los» flüsterte eine Besucherin, als der erste Schuss fiel auf der Bühne.

Körpereinsatz auf der ganzen Linie

Es ist «was los» in der Inszenierung der jungen Regisseurin Nina Mattenklotz. Keine Romantik, aber mitreissende Aktualität gespickt mit ab und zu humoristischen Einlagen. Obwohl das Bühnenbild nicht ändert – in der Mitte steht ein kaputtes Kettenkarrussel, dessen Sitze ab und zu quietschend hin und her schwingen –  und der Text ziemlich im Original übernommen wird, ist es eine unglaublich lebendige aber vor allem eine unglaublich körperliche Inszenierung. Da wird gekämpft, getötet, geschossen, getanzt, befummelt, geküsst und es  geht so richtig zur Sache. Besonders  eindrücklich z.B. die Szene, wo Romeo den toten Mercutio über die Bühne schleppt, eine Art Todestanz, bei dem sich Lukas Darnstädt als Mercutio so leblos gibt, dass es erschreckend echt aussieht.  Ob der ständigen Bewegung auf der Bühne, der Lebendigkeit, vergisst man völlig die Zeit. Die 3-köpfige  Band Jon Hood trägt mit ihren extra für die jeweiligen Szenen komponierten und live vorgetragenen Stücken ganz entscheidend zur Verdichtung der Stimmungen und der Atmosphäre bei.

Starke Besetzung

Die Rollen sind alle stark besetzt: Romeo (Jakob Leo Stark) ist eine Art liebenswerter Kumpel, Mercutio (Lukas Darnstädt) ein sexbesessener Schönling in engen, tiefsitzenden Glanzhosen und offener Jacke über nacktem Oberkörper, Benvolio (Alina Vimbai Strähler), in Luzern  als Frau besetzt, quirlig, sprühend und unbeschwert. Tybalt (Mathias Kurmann), ein aggressiver Aufwiegler,  Lady Capulet, Julias Mutter, (Wiebke Kaiser) verbittert, völlig abwesend, unbeteiligt. Der Vater (Adrian Furrer) unbeugsam, gefühllos und nur darauf bedacht, seine Tochter an den Grafen Paris (Samuel Braun) zu vergeben, ein schmieriger Jüngling ohne Rückgrat. Daneben gibt Sofia Elena Borsani als Julia ein verträumtes junges Mädchen, welches aber genau weiss, was es will. Ihre Amme (Stefanie Rösner) ist mehr Freundin  aber vor allem auch Frau, die den männlichen Reizen in keiner Weise abgeneigt ist. Nicht zuletzt ist da der Mönch (Yves Wüthrich), eine Karikatur mit schwarzem Haarkranz, zu kurzen Hosen und gestrickten grünen Socken. Die Heiratsszene verkommt dann auch zu einer Art Slapstick, erinnert an Szenen aus einem Fellini-Film, ist aber gleichzeitig einer der wenigen unbeschwerten Momente. Da bricht die Liebe, die Ungeduld, die Leidenschaft durch. Und wenn die beiden mit wehendem Hochzeitsschleier auf dem Fahrrad ihre Runden um das kaputte Karussell drehen, hat das etwas Hoffnungsvolles und Berührendes und man wünscht sich, sie  würden es schaffen, den Hass ihrer beiden Familien zu durchbrechen.

Für Hoffnung gibt’s aber keinen Platz in diesem Stück, wie man ja weiss. Der Schluss kommt leicht geändert daher, Romeo und Julia finden sich zwar noch, sehen aber keine andere Lösung, als sich gemeinsam zu erschiessen.

Das Stück ist bedrückend aktuell. Nina Mattenklotz zeigt Bilder, wie sie uns allen nur zu bekannt sind – Bandenkriege, Gewalt, Intoleranz, Egoismus, sexuelle Übergriffe. Es ist wohl diese Realitätsnähe, die eine ganze Schulklasse völlig gebannt fast die ganzen 3 Stunden ruhig auf ihren Sitzen ausharren liess. Das allein spricht für das Stück, die Inszenierung und die Schauspieler!  Einzig in der Schlussszene, die sich dann doch etwas lange hinzog, wurde es langsam etwas unruhig in den oberen Rängen.

Wer sich bis jetzt von der Länge des Stücks vom Besuch hat abhalten lassen – nicht mehr zögern und hingehen. Die Bilder bleiben einen weit über den Abend hinaus im Kopf.

Trailer der Produktion:

www.luzernertheater.ch/romeoundjulia

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2017/03/06/uzerner-theater-romeo-und-julia-tragoedie-von-william-shakespeare-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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