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Vermischtes

Vermisstes Cranach-Werk von Wissenschaftlern entdeckt

Kuratoren der Ausstellung sind die Wissenschaftler des Cranach Digital Archive Prof. Dr. Gunnar Heydenreich (TH Köln) und Daniel Görres, sowie Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast Foto: Stefan Arendt, LVR-ZMB
Kuratoren der Ausstellung sind die Wissenschaftler des Cranach Digital Archive Prof. Dr. Gunnar Heydenreich (TH Köln) und Daniel Görres, sowie Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast  Foto: Stefan Arendt, LVR-ZMB
Museum Kunstpalast und TH Köln: Werkschau CRANACH. Meister – Marke –
Moderne
Meisterwerk oder Werkstattbild? Das ist nur eine von vielen Fragen, auf
die Forscherinnen und Forscher aus aller Welt im Zusammenhang mit einem
der bedeutendsten Maler der deutschen Renaissance, Lucas Cranach der
Ältere (1472-1553) und seinen Werken Antworten suchen. Neue
kunsttechnologische Forschungen und Archivrecherchen geben  Antworten und
bieten faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis einer der
innovativsten und produktivsten Künstlerwerkstätten des 16. Jahrhunderts.

Meisterwerk oder Werkstattbild? Das ist nur eine von vielen Fragen, auf
die Forscherinnen und Forscher aus aller Welt im Zusammenhang mit einem
der bedeutendsten Maler der deutschen Renaissance, Lucas Cranach der
Ältere (1472-1553) und seinen Werken Antworten suchen. Neue
kunsttechnologische Forschungen und Archivrecherchen geben  Antworten und
bieten faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis einer der
innovativsten und produktivsten Künstlerwerkstätten des 16. Jahrhunderts.
Vorgestellt werden die Forschungsergebnisse vom 8. April bis 30. Juli 2017
in der groß angelegten Werkschau „CRANACH. Meister – Marke – Moderne“, die
das Museum Kunstpalast in Düsseldorf in Kooperation mit der TH Köln im
Reformationsjahr 2017 dem berühmten Wittenberger Maler widmet. Damit lässt
die Ausstellung die Besucherinnen und  Besucher an den Forschungen des
CRANACH DIGITAL ARCHIVE (CDA) teilhaben, einem einzigartigen
Forschungsprojekt, das vom Museum Kunstpalast und der TH Köln in
Kooperation mit anderen Partnern initiiert worden ist und von der Andrew
W. Mellon Foundation gefördert wird. Projektleiter des CDA ist der
renommierte Cranach-Forscher Prof. Dr. Gunnar Heydenreich von der TH Köln
(Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft). Er und
Daniel Görres, wissenschaftlicher Mitarbeiter des CDA, sowie Beat Wismer,
Generaldirektor Stiftung Museum Kunstpalast, sind auch Kuratoren der
Ausstellung.

Die Werkschau nimmt Cranach den Älteren in seiner Gesamtheit und
Modernität in den Blick und beleuchtet neben seinen Erfolgsstrategien den
Einfluss des herausragenden Künstlers bis in die Kunst der Moderne und
Gegenwart. Gezeigt werden rund 200 Werke aus internationalen Museen und
Sammlungen, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, die
National Gallery in London, das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, das
Museum der Bildenden Künste in Budapest sowie das Nationalmuseum
Stockholm.

Die Ausstellung analysiert die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen
Aufträgen, Materialien, Techniken, Werkstattorganisation und
künstlerischen Ausdrucksformen. Veranschaulicht werden verschiedene
Stadien des Werkprozesses wie etwa die serielle Bildproduktion mittels
Standardformaten. Auch die gegenseitige Beeinflussung von Malerei,
Holzschnitt und Buchdruck wird untersucht. Gezeigt werden unter der
Malschicht verborgene und mit infrarotreflektografischen Techniken
visualisierte Unterzeichnungen. Zudem werden neben einem enormen Reichtum
an Malmaterialien und höchst effizienten künstlerischen Techniken auch der
Einfluss von Handel und ökonomischen Bedingungen auf die Gestaltung der
Gemälde veranschaulicht. Die Untersuchungsergebnisse liefern neue
Antworten zu Fragen der Authentizität, der Arbeitsteilung, der Datierung
sowie den ursprünglichen Funktionen und Zusammenhängen der in der
Ausstellung präsentierten Werke.

SPEKTAKULÄRES FORSCHUNGSERGEBNIS
Ein spektakuläres Forschungsergebnis des Cranach-Experten Heydenreich
betrifft das Gemälde „Fürstin mit ihrem Sohn“ aus der Royal Collection
London, das Teil der Ausstellung ist. Prof. Heydenreich weist nach, dass
es sich hierbei um ein lang vermisstes Cranach-Werk handelt, von dem
einige Cranach-Forscher bereits glaubten, dass es niemals existierte. Das
Franz Wolfgang Rohrich (1787-1834) zugeschriebene Doppelbildnis einer
Fürstin mit ihrem Sohn war bereits zuvor vielfach Gegenstand von
Spekulationen. Wolfgang Rohrich schuf zahlreiche Werke in altmeisterlicher
Art nach dem Vorbild Cranachs, wohl auch  zum Teil im Sinne von
Fälschungen. Zu dem ganz im Stil Cranachs geschaffenen Gemälde „Fürstin
mit ihrem Sohn“ wurde allerdings  niemals das dazugehörige Original
gefunden und daher das Werk Rohrich selbst zugeschrieben.
„Röntgenaufnahmen zeigen eine spezielle Art der Vorbereitung der
Holztafel, die der Zubereitung anderer Tafeln aus der Cranach-Werkstatt
entspricht und in anderen Werken Rohrichs nicht zu finden ist“, berichtet
Prof. Dr. Gunnar Heydenreich. „Pigmente und Blattmetalle sowie die
Techniken des Farbauftrags auf dem Londoner Doppelbildnis stimmen
ebenfalls mit denen in der Cranach-Werkstatt verwendeten überein. Alle
Ergebnisse der technologischen Untersuchung dokumentieren, dass der Maler
des Doppelbildnisses über umfangreiche Kenntnisse in der Werkstattpraxis
Lucas Cranachs verfügte, die im 19. Jahrhundert nicht bekannt waren. Die
Interpretation der Befunde lässt nur einen Schluss zu: Bei dem Londoner
Gemälde der Fürstin mit ihrem Sohn handelt es sich um das vermisste
Cranach-Werk – es ist das Original.“

Seit 2009 erfasst und erforscht das Cranach Digital Archive das weltweit
verstreute Cranach-Werk und analysiert die vielfältigen Wechselbeziehungen
zwischen Aufträgen, Materialien, Techniken, Werkstattorganisation und
künstlerischen Ausdrucksformen. In dem interdisziplinären
Forschungsprojekt arbeiten Kunsthistoriker, Kunsttechnologen mit 250
Institutionen aus 26 Ländern zusammen. Gefördert wird das CDA durch die
Andrew W. Mellon Foundation. Derzeit umfasst das CDA 1.600 Gemälde, 14.200
hochauflösende Abbildungen, 900 pdf-Dokumente, 6.500 Textseiten in Deutsch
und Englisch, 378 Archivdokumente, 3.300 Literaturnachweise, 1.285
Infrarotreflektogramme und 500 Röntgenaufnahmen u.v.m.

Die TH Köln bietet Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-,
Arbeits- und Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-,
Ingenieur- und Naturwissenschaften. Zurzeit sind mehr als 25.000
Studierende in über 90 Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben.
Die TH Köln gestaltet Soziale Innovation – mit diesem Anspruch begegnen
wir den Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres
Denken und Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen
Aktivitäten machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten
Kooperationspartnerin und Wegbereiterin. Die TH Köln wurde 1971 als
Fachhochschule Köln gegründet und zählt zu den innovativsten Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften.

Weitere Informationen
www.cranach2017.de

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